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Einleitung

2. Schachtelhalm

In dem hier bereits zititierten Hauptwerkt der antiken deutschen Philosophie des 21. Jahrhunderts von Helge Schneider (Da Humm: Philosophie II), findet sich im weiteren das folgende Zitat:
- als MP3 (3,73MB)
- oder zum lesen:

Existenz!
Was ist eigentlich Existenz?
Viele sind verunsichert, wenn ich dieses schwierige Thema anspreche, und lachen dann, verfallen in ein wahnsinniges Lachen und sterben früh. Warum will der Mensch nicht wissen, wo er her kommt?
Klar, wir wissen, wo wir herkommen: Mama, Papa; und die kommen von anderen Eltern, und die wieder von Eltern, und die von Eltern, und die von Eltern; das geht ganz weit zurück, bis in die Feuerzeit. Die Eiszeit! Da gab es zwar noch keine - ich sag mal "Menschen", aber die Vorgänger von Menschen: kleine Amöben, so Gelibber, glibbriges Zeug, das in der Erde so kokelt, schwelende Laken. Würmchen, kleine Maden. Angeblich ohne Wissen und ohne Abitur. Ganz klar, das gab es damals nicht. Aber Intelligenzien waren schon unterwegs. Zum Beispiel der Aal ist ein sehr altes Tier (was Peter, Du kennst den noch).
Und der erste Mensch: irgend wann hat Gott zu sich selbst gesagt: UUuuaaaaahhrrrrraaaaarr Huuuaarrraaaarruuurr rrrurrraaaaaa. Das heißt ungefähr so - er konnte ja damals nicht hier so sprechen, da gab es die Sprache noch nicht - das heißt so viel wie: verdammt, mir wird langweilig, ich brauche Menschen! Und er machte uns, und direkt hat er gesagt: So! Die sollen nicht nackt sein, die sollen 'ne Hose kriegen und Pullover und so, damit ich meinen Spaß habe. Und Schuhe und Strümpfe, und Slip, BH, all so was. Suspensorium. Und Haare, oder Perrücke, is' egal. Von mir aus machen wir ein paar mit Glatze, und so. Ja, so hat er den Menschen geformt und so. Und dann hat er aber gesagt: ja, ist aber langweilig auf der Erde jetzt mit Feuer nur (damals hat es ja gebrannt, und auch hier in der alten Oper hat es gebrannt.) Und da sagte der Herr, nee jetzt will ich nicht mehr Feuer, jetzt kommt Schachtelhalm. Und er machte überall auf der ganzen Erde Schachtelhalm. Das kann man sich kaum vorstellen. Schachtelhalm hier, Schachtelhalm da, Schachtelhalm in Amerika! Alles war Schachtelhalm. "Schachtelhalm! Schachtelhalm! Süß und saftig! Eine Mark eine Tüte!" Oder: "kennse den Hans-Günter. Das ist ja vielleicht ein Angeber. Der fährt einen 280er Schachtelhalm SE." Oder: "Guck mal hier, du: echt Schachtelhalm. Super Anzug, echt Schachtehalm, pflegeleicht, hab ich hier gekauft in der Stadt, bei Schachtehalm & A." - "Guten Tach. Ich hätte gern eine Portion - eine Doppelportion Schachtelhalm mit Majonaise und Soße. Und geben Sie mir noch eine - zwei, geben Sie zwei Flaschen Schachtelhalm. Und dann eine Schachtel Schachtelhalm Filter noch dazu. Hier, macht 20 Schachtelhalm. Der Rest ist für Sie. Auf Wiedersehen."
(Download im MP3-Audio-Format, 3,73MB)

Dies ist ein Frontalangriff auf den Geschmacksnerv eines jeden Sprachphilosophen. In einer einzigartigen Beweisführung schält Schneider das Sein aus den hermeneutischen Hüllen des Wortes ab und zeigt, daß es die Begriffe sind, die den Dingen ihr Wesen geben. Denn in Wahrheit gibt es nur ein einziges Sein, das sich immer wieder dasselbe ist.

Daß dieses Sein ausgerechnet Schachtelhalm heißt, überrascht natürlich nur den Laien.

Mit anderen Worten: 1 beliebiges Wort für alles Sein, ist genausogut, wie unzählige beliebige Worte. Nehmen wir ein konkretes Beispiel.

Eine alte Volksweisheit sagt: »Verbrecher müssen bestraft werden«. Das scheint ein überaus praktischer und in das gesellschaftliche Leben tiefschürfend eingreifender Satz zu sein. In Wirklichkeit aber ist er genauso viel wert, wie eine Blase ohne Luft.

Stellen wir uns einmal vor: ein Land ohne Strafen. Jeder, egal was er tut, geht ohne Strafen von dannen und lebt, als wäre nichts gewesen. Und nehmen wir ein anderes Land, in dem gibt es keine Verbrecher, nicht auch nur einen einzigen. Durch einen absurden Wink des Schiksals werden dort einfach keine Verbrecher, sondern nur Bürger geboren, die sich nichts zu Schulden kommen lassen. Nun frage ich: worin würden die beiden Länder sich unterscheiden?

Was lehrt uns das? Es lehrt uns: ein Verbrecher ist der, der bestraft wird; Strafe ist das, was dem Verbrecher zuteil wird. Mit anderen Worten: Schachtelhalm! Wenn also morgen wieder ein Bankräuber in der Zeitung abgebildet ist, und der Stammtisch brüllt: Verbrecher müssen bestraft werden, dann antworten Sie in aller Seelenruhe: und Schachtelhalm muß abgebrannt werden.

(Ja, Bankräuber werden für gewöhnlich bestraft - von müssen kann aber nicht die Rede sein, und insbesondere nicht mit der Begründung: "Verbrecher müssen bestraft werden". Denn Verbrecher sind sie nur, weil sie bestraft werden!)

Was hat das nun wirklich mit Schachtelhalm zu tun??

>>> Sehen Sie selbst >>>

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