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"Das Feuer brennt nur so lange,
wie es etwas Brennbares findet."
Dieses Motto kennzeichnet auf denkbar banale Weise das eigentliche Problem jeder Feuersbrunst: Wenn einmal alles abgebrannt ist, was an brennbarem Material zur Verfügung steht, dann sieht das Feuer ziemlich alt aus und zieht zumeist die Konsequenz, auszugehen.
Übertragen auf die Erkenntnistheorie - und nur darum handelt es sich hier selbstverständlich - bedeutet das: wenn man mit seinem Verstand am Ende des Rationalen angekommen ist, zieht man zumeist die Konsequenz, aufzuhören. Herr Wittgenstein hat diese Konsequenz in großer Experimentierfreudigkeit nicht nur selbst gezogen, sondern auch den vielzitierten Satz geprägt: "Worüber man nicht sprechen kann, darüber soll man schweigen". Das heißt wiederum so viel als: was der Verstand nicht erfassen kann, das kann er nicht erfassen; denn ein so vernünftiger Mensch wie Herr Wittgenstein geht - völlig zu unrecht - davon aus, daß der Mensch nur über das zu sprechen pflegt, was sein Verstand erfaßt. Andernfalls würde der Satz auch keinen Sinn machen, denn festzustellen, daß man über das, worüber man nicht sprechen kann, nicht sprechen kann - d.h. schweigen muß - dafür hätte Wittgenstein seine kostbare Zeit nicht geopfert.
Der Gewöhnliche Mensch, also Du und ich, wir sprechen über alles, was unser Verstand nicht erfassen kann, und werden dabei noch nicht einmal rot. Genauso steht auch das Steppengras in der Steppe, ohne sich Rechenschaft dafür abzugeben. Sobald aber die o.g. Feuersbrunst sich naht, ist das Steppengras nicht mehr gleichgültig, sondern wankt im Winde der Frage: warum stehe ich ausgerechnet hier und nicht zum Beispiel im Botanischen Garten von Athen, wo Feuersbrünste aufgrund der übertriebenen Eintrittsgebühren das Nachsehen haben.
Wenn es auf den ersten Blick auch nicht so scheinen mag, aber genauso verhält es sich mit dem Denken: solange mich keiner danach fragt, weiß ich genau, was z.B. Zeit ist. Aber wehe ich soll es erklären: dann wird mir mindestens so heiß, wie dem Steppengras, das nicht im botanischen Garten von Athen zu stehen das Glück hat.
Wer so einmal durch den Garten seines Denkens stapft, der wird sehr bald feststellen, daß nach einer gewissen Zeit all die schönen vernünftigen Begriffe wie Steppengras im Feuer verbrennen. Weil dies selbstverständlich ein unangenehmes Gefühl ist, vermeiden wir das zumeist, indem wir einfach eine Art Gegenfeuer legen und sogenannte "Grundsätze" in unserem Kopf aufrichten, die unantastbar bleiben. Natürlich ist das ein gänzlich irrationales Verhalten und darum eignet es auch nur dem Menschen. Sobald man sich aber einmal an solche Grundsätze gewöhnt hat, lassen sich darum herum die herrlichsten botanischen Gärten an Theorien aufbauen, feuerfest und blütenreich - aber eben leider gänzlich haltlos und irrational.
Das einzige Gegenmittel dagegen ist die große Feuersbrunst, die alles niederbrennt - Gras, botanische Gärten, Begriffe, Grundsätze, kurz alles, was der Ratio eignet. Konventionellerweise nennt man das nicht Feuersbrunst, sondern Zweifel oder Skeptizismus - aber was sind schon Worte. Dabei kommen wir dann auch auf den Grund der Metapher: das Feuer, das alles niederbrennt, ist die Ratio selbst: also unser Denken. Sobald es aber alles abgebrannt hat, was brennbar ist - also alles Denkbare! - geht es zwangsläufig aus.
Das weckt verständlicherweise unser tiefstes Mißtrauen. Denn ohne unser Denken sind wir, was das Denken betrifft, in einer etwas ungünstigen Lage. Doch wie wir schon gesehen haben, entkommen wir der Irrationalität ohnehin nicht - wir vergessen sie nur ob der Blütenpracht künstlicher Gärten.
Gehen wir also daran, und brennen alles ab!
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