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Esseme

Eine kleine Geschichte

Esseme sind kleine, unscheinbare (zuweilen auf der Autobahn fahrende) Dinger, mit einem schwarzen Nacken und vielen langen Armen, die sich in jede Form biegen lassen. Sie sitzen zwischen den Dingen und halten sie mit ihren Kabelarmen fest. Und wenn das eine Ding eine Bewegung macht, dann spürt das Essem dies und schüttelt das andere Ding ganz kräftig durch. Das spürt ein zweites Essem und darum schüttel es auch an einem Ding so kräftig, daß wieder ein Essem dies spürt, und so geht das endlos weiter. Das ist ein fürchterliches Geschüttel da unter den Essemen.

Nur wenn ein Mensch kommt, und sie sehen will, dann - husch - sind sie fort und an ihrer Stelle sieht man nur noch einen kleinen, schwarzen Schatten. Dieser Schatten ist es, der uns glauben macht, wir sähen die Dinge. Dabei sind die Dinge nur die leeren Stellen zwischen den Schatten. Denn in Wirklichkeit gibt es keine Dinge, sondern nur die Esseme, die da sitzen und sich die Hände schütteln.

Aber die Menschen, in ihrer groben Art und mit ihren schlechten Brillen, glauben, daß zwischen den Schatten, die sie sehen, wirklich die Dinge seien, und darum geben sie ihnen auch Namen und schieben sie hierhin und dorthin und sagen dieses Ding gehört mir, das da gehört Dir, und sie wollen einfach nichts davon wissen, daß sie eigentlich nur Schatten umherschieben.

Ja, viel schlimmer noch. Sie glauben, daß es das größte ist, wenn man viele Namen von Schatten kennt. Wenn ein Mensch viele, viele Namen sich ausdenkt und sich gut merken kann, welchen Namen er welchem Schatten gegeben hat, dann wird er bei den Menschen hoch geehrt und man sagt zu ihm, er sei ein "Professor".

Aber die Esseme, die lachen dann nur ganz herzlich und fangen noch mehr an zu schütteln, so daß mancher Professor, wenn er nicht aufpaßt, vor lauter Ehre doch die Namen durcheinanderbringt. Und das freut die Esseme so, daß sie regelrecht anfangen zu tanzen. Und eh man sich's versieht, da haben sie alles durcheinandergebracht, so daß dem Menschen recht schwindelig im Kopf wird und er gar nicht mehr weiß, wo seine Schatten alle geblieben sind. Manchmal passiert es dann, daß das ein oder andere Essem dabei zu sehr herumtollt und der Mensch es ganz kurz sehen kann. Dabei erschrickt er fürchterlich, und wenn er einer von den Professoren ist, dann haut er sich ordentlich auf die Backe und sagt zu sich: "Na so was, ich glaube jetzt bin ich krank".

Ja, so ist das mit den Essemen. Sie sind lustige Gesellen, die erst froh sind, wenn wir Menschen alle Namen durcheinandergebracht haben. Nur ganz wenige Menschen, die so sehr an ihre Gesundheit glauben, daß ihnen so etwas, wie dem erschrockenen Professor gar nicht im Traume einfiele, die sehen vielleicht einmal, wenn sie hurtig über die Autobahn brausen, ein Essem an sich vorbeihuschen. Denn Esseme sind ja sehr schnell. So schnell, daß man leicht glaubt, man habe es überholt, obwohl es einen selbst überholt hat! Aber solche Menschen sind selten. Sehr selten. Ja man kann sogar sagen, es gibt überhaupt nur *einen* solchen Menschen!

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